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Berechnung des geldwerten Vorteils

Für die Bewertung der privaten Nutzung eines Firmenwagens sind zwei Berechnungs­methoden möglich: die 1 Prozent-Regelung als der vom Gesetzgeber gedachte Rege­lfall oder die Ermittlung eines individuellen Nutzungs­werts als Ausnahmer­egelung (sog. Fahrtenbuchmethode).

1 Prozent-Regelung

Bei dieser Berechnungsmethode wird der geldwerte Vorteil nicht mit dem individuell ermittelten Kilometersatz bewertet, sondern mit einem pauschalen Wert, der sich mit einem bestimmten Prozentsatz aus dem Listenpreis des Fahrzeugs im Zeitpunkt der Erstzulassung errechnet, und zwar

  • für die reinen Privatfahrten mit 1 Prozent monatlich,
  • für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte grundsätzlich mit 0,03 Prozent monatlich je Entfernungskilometer und
  • für die steuerpflichtigen Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung mit 0,002 Prozent je Fahrt und Entfernungskilometer.


Listenpreis im Sinne der gesetzlichen Regelung ist – auch bei Gebrauchtwagen und im Falle des Leasings – die im Zeitpunkt der Erstzulassung für den genutzten Personenkraftwagen im Inland maßgebende unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers, zuzüglich Sonderausstattungen und Umsatzsteuer. Dieser Preis ist auf volle 100 Euro abzurunden.

Der BFH hält an seiner Rechtsprechung fest, dass auch bei einem vom Arbeit­geber gebraucht erworbenen Fahrzeug der Bruttolisten­neupreis anzusetzen ist (BFH-Urteil vom 13.12.2012 - VI R 51/11). Hiernach ist die 1 Prozent-Regel­ung eine grund­sätzlich zwingende, stark typisierende und pauschalie­rende Bewertungs­regelung. Deshalb bleiben individuelle Besonder­heiten hinsichtlich der Art und der Nutzung des Dienst­wagens grundsätzlich ebenso unberück­sichtigt wie nachträgliche Änderungen des Fahrzeug­wertes. Dements­prechend erhöht etwa der nachträgliche Einbau von Zusatz­aus­stattungen nicht die Bemessungs­grundlage der 1 Prozent-Regelung (BFH-Urteil vom 13. Oktober 2010 - VI R 12/09). Weiter bleibt im Rahmen der Anwendung der 1 Prozent-Regelung der inländische Listen­preis auch dann Bemessungs­grundlage, wenn der Arbeitgeber das Fahrzeug gebraucht ange­schafft hatte (vgl. BFH-Urteil vom 1. März 2001 - IV R 27/00; BFH-Beschluss vom 18. Dezember 2007 - XI B 178/06).

Ausgehend von der dieser Rechtsprechung hat das Finanzgericht München die Anwendung der 1-Prozent-Bruttolisten­preis­regelung auch bei Erwerb eines Gebraucht­wagens bestätigt. Der BFH hat allerdings aufgrund der Nicht­zulassungs­beschwerde des Klägers die Revision gegen das Urteil zugelassen, sodass die Anwendung der 1-Prozent-Bruttolisten­preis­regelung bei Gebraucht­wagen auf dem Prüfstand steht (FG München vom 9. Dezember 2014 - 6 K 2338/11, Revisionsverfahren beim BFH: X R 28/15).

Fahrtenbuchmethode

Anstelle der Anwendung der 1 Prozent-Regelung kann der geldwerte Vorteil mit den auf die private Nutzung entfallenden Teil der gesamten Kfz-Aufwendungen angesetzt werden.

Dies setzt voraus, dass sowohl die Gesamtkosten für den Firmenwagen als auch die Fahrten durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch im Einzelnen nachgewiesen werden. In der Praxis gibt es immer wieder Meinungsverschiedenheiten darüber, welche Mindestangaben in einem ordnungsgemäßen Fahrtenbuch vorhanden sein müssen.

Der BFH hat seine restriktive Rechtsprechung bestätigt. Danach sind neben Datum und Fahrtzielen (= Adresse) grundsätzlich auch die jeweils aufgesuchten Kunden oder Geschäftspartner oder die konkreten Gegenstände der beruflichen Verrichtung aufzuführen, und zwar grundsätzlich jede einzelne berufliche Verwendung für sich und jeweils mit dem bei Abschluss der Fahrt erreichten Gesamtkilometerstand des Fahrzeugs. Bei einer einheitlichen beruflichen Reise können diese Abschnitte zwar miteinander zu einer zusammenfassenden Eintragung verbunden und der am Ende der gesamten Reise erreichte Gesamtkilometerstand aufgezeichnet werden. Aber auch im Rahmen dieser Erleichterung sind die einzelnen Kunden oder Geschäftspartner im Fahrtenbuch in der zeitlichen Reihenfolge aufzuführen, in der sie aufgesucht worden sind. Es genügt nicht, wenn nur allgemein und pauschal Fahrten im Fahrtenbuch als „Dienstfahrten“ bezeichnet werden. Die erforderlichen Mindestangaben können auch nicht durch anderweitige, nicht im Fahrtenbuch selbst enthaltene Auflistungen (z.B. eigene Tagebuchaufzeichnungen) ersetzt oder ergänzt werden (BFH-Urteil vom 13. November 2012 - VI R 3/12).

Die Anwendung der Fahrtenbuchmethode setzt auch voraus, dass der Arbeitnehmer für das gesamte Kalenderjahr ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch für den überlassenen Firmenwagen führt. Der BFH hat die Auffassung der Finanzverwaltung bestätigt, dass ein Wechsel im Laufe des Kalenderjahres von der 1 Prozent-Bruttolistenpreisregelung zur Fahrtenbuchmethode für dasselbe Fahrzeug nicht zulässig ist. Die Fahrtenbuchmethode beinhaltet nämlich das Zusammenspiel zwischen der Gesamtfahrleistung durch die im Fahrtenbuch selbst vollständig aufgezeichneten Strecken einerseits und einer vollständigen Bemessungsgrundlage durch Ansatz der gesamten Kraft­fahrzeug­wendungen andererseits. Der Monatsbezug der Prozentsätze bei der Bruttolisten­preisregelung (monatlich 1 Prozent des Bruttolistenpreises für die Privatnutzung bzw. 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte) steht dem nicht entgegen, da hierdurch lediglich der „monatliche“ Zuflusszeitpunkt des geldwerten Vorteils geregelt werde. Sofern allerdings im Laufe des Kalenderjahres ein anderer Firmen­wagen zur Verfügung gestellt wird, ist ein Wechsel von der Bruttolisten­preisregelung zur Fahrtenbuch­methode oder umgekehrt ab dem Zeitpunkt des Fahrzeugwechsels ohne weiteres möglich (BFH-Urteil vom 20. März 2014 - VI R 35/12).

Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte

Wenn der Mitarbeiter mit dem Dienstwagen zur Arbeit fährt, kann er steuerlich die Pendlerpauschale als Werbungskosten ansetzen, auch wenn er für die Fahrtkosten nicht selbst aufkommt. Das Finanzamt versteuert auf der anderen Seite als Nutzungsvorteil pauschal 0,03 Prozent des Listenpreises des Fahrzeugs pro Monat und Entfernungskilometer. Zu Unrecht, wie ein betroffener Steuerzahler meinte. Denn er nutzte den Dienstwagen für Fahrten zur Arbeit viel seltener, in einem Monat sogar nur einmal. Das Finanzamt setzte dennoch ganze Monatspauschalen als Steuerschuld an. Der Kläger behielt Recht. Das BMF hat als Folge der Rechtsprechungsentwicklung die alternative Bewertungsmethode mit 0,002 Prozent vom Listenpreis je Kilometer der Entfernung je Einzelfahrt zugelassen.

Stand: 27.11.2017

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