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Boom in der Gesundheitsbranche

Die Herausforderungen der Zukunft

Der sich abzeichnende Fachkräftemangel ist – bezogen auf die gesamte Gesundheitswirtschaft – jedoch noch weitaus größer, wie aus einer 2010 vorgelegten Studie "Fachkräftemangel im Gesundheitswesen" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und des Darmstädter WifOR-Instituts hervorgeht. Demnach werden in Deutschland bereits im Jahr 2020 – nach Vollzeitstellen berechnet – fast 56.000 Ärzte sowie 140.000 Pflege- und andere nicht-ärztliche Fachkräfte fehlen. Bis 2030 droht die Personallücke in der Gesundheitsversorgung sogar auf über 950.000 Fachkräfte anzuwachsen. Dann dürfte etwa jede dritte Arztstelle in Kliniken unbesetzt bleiben, in Praxen sogar jede zweite. Auch bei den nicht-ärztlichen Fachkräften sei eine gravierende Unterversorgung absehbar. Die Autoren der Studie rechnen für 2030 mit mehr als 200.000 Sprechstundenhilfen und über 45.000 Laborkräften, die dann fehlen werden. Bei Krankenschwestern, -pflegern und Hilfspflegekräften werde sich der Personalengpass sogar auf annähernd 480.000 Beschäftigte belaufen. Dabei sei der Personalbedarf in der Altenpflege in diesen Zahlen noch nicht einmal berücksichtigt.

Diagramm Fachkräftemangel in der Pflegeversicherung

Um den drohenden Fachkräftemangel zu vermeiden oder wenigstens abzumildern, müsse einerseits die Beschäftigung im Gesundheitswesen attraktiver werden, heißt es in der Studie.

Handlungsbedarf bestehe insbesondere beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Im Gesundheitswesen sei bislang Teilzeitarbeit die häufigste Antwort auf die Doppelbelastung durch Arbeit und familiäre Pflichten. Sinnvoller wäre jedoch der Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten, um das Fachkräftepotenzial insbesondere bei Frauen besser auszuschöpfen. "Neben dem Anwerben von ausländischen Fachkräften kann kurzfristig nur eine weitere Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit dem Fachkräftemangel entgegenwirken", so WifOR-Arbeitsmarktexperte Dr. Dennis Ostwald. Insbesondere im Pflegebereich müssten zudem die Arbeitsabläufe und -organisation optimiert werden, um gesundheitsbedingte Frühverrentungen und Arbeitsunfähigkeiten so weit wie möglich zu vermeiden.

Andererseits gelte es aber auch, die Versorgung effizienter zu machen, um den Personalbedarf zu verringern. Die engere Verzahnung von stationärer und ambulanter Versorgung beispielsweise könnte nicht nur Wartezeiten verkürzen, sondern auch Doppeluntersuchungen vermeiden. So würden weniger personelle und finanzielle Ressourcen gebunden. Effizientere Strukturen könnten zudem zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Gesundheitswesen beitragen. Beispielsweise würde die konsequente Umstellung auf die elektronische Krankenakte nicht nur den Informationsfluss zwischen den Akteuren im Gesundheitswesen beschleunigen, sondern sie auch von zeitraubenden und vielfach als lästig empfundenen Verwaltungs- und Dokumentationsaufgaben befreien.

Für die Studie "Fachkräftemangel im Gesundheitswesen" hat WifOR im Auftrag von PwC mehr als 20 Millionen Datensätze zu Arbeitsmarkt, Altersstruktur und Ausbildungsentwicklung der ärztlichen und nicht-ärztlichen Fachkräfte im Gesundheitswesen analysiert und bis zum Jahr 2030 fortgeschrieben. Sie kann kostenlos bestellt werden.

Redaktionsschluss: 12.08.2011