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Demografischer Wandel

Nicht schlechter, sondern anders – Leistungsfähigkeit im Alter

Wenn Unternehmen zur Deckung ihres Arbeitskräftebedarfs in immer stärkerem Maße auch auf ältere Arbeitnehmer angewiesen sind, dann müssen sich auch weit verbreitete Vorurteile über die vermeintlich geringere Leistungsfähigkeit der Generation 50 plus ändern, sagt Prof. Dr. Jutta Rump. Als Leiterin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) an der Fachhochschule Ludwigshafen haben sie und ihr Team In den vergangenen Jahren im Auftrag von Ministerien, Stiftungen, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften die zahlreichen Altersmythen auf ihren wahren Kern hin untersucht. Ständig stieß sie in den Personalabteilungen auf die pauschale Aussage: "Leistungsfähigkeit und Lernmotivation nehmen ab, je älter ein Mitarbeiter wird." Wissenschaftlich ist das längst widerlegt, weiß Rump. So könnten Arbeitgeber, die hohe Krankenstände fürchten, ein Aha-Erlebnis haben: Studienergebnissen zufolge sind es nämlich die Jüngeren, die wegen eigener Krankheit oder Pflege von kranken Kindern überdurchschnittlich oft ausfallen. Bei den Älteren dagegen überwiegt meist das Verantwortungsbewusstsein der Versuchung, sich wegen jeden Schnupfens eine Krankschreibung vom Hausarzt zu holen. Im Endergebnis ist die Krankenstatistik zwischen Jung und Alt allerdings dennoch ausgeglichen: Sind ältere Mitarbeiter nämlich tatsächlich krank, fallen sie länger aus als ihre jüngere Kollegen.

"Noch immer gehen viele Führungskräfte davon aus, dass ältere Arbeitnehmer grundsätzlich weniger leistungsfähig sind als jüngere", sagt auch der im Rahmen des Programms "rebequa" (Regionale Beratung und Qualifizierung) tätige Demografieberater Hermann Wirtz. Doch dass Ältere weniger können als Jüngere, sei keineswegs gesichert. "Im Gegenteil: Zwar wird niemand bestreiten, dass Leistungsbereiche wie körperliche Ausdauer und Beweglichkeit mit fortschreitendem Alter nachlassen. Andererseits haben die "Alten" in Sachen Erfahrung, betriebsspezifisches Wissen, berufliche Routine und Geübtheit oder Genauigkeit häufig die Nase vorn. Sie zeichnen sich aus durch hohes Pflichtbewusstsein, Zuverlässigkeit, sind häufig gelassener und können ihre eigenen Grenzen oft realistischer einschätzen. Pauschal betrachtet unterscheiden sich Ältere also nicht von Jüngeren in der Höhe, sondern nur in der Art ihrer Leistungsfähigkeit", so Wirtz.

Auch das Klischee von der abnehmenden Lernfähigkeit ist nach den Erkenntnissen des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) wahr und unwahr zugleich. Die Forschungsergebnis haben bestätigt, dass jüngere Beschäftigte die besseren sensomotorischen Fähigkeiten haben, außerdem ein höheres Leistungstempo, eine raschere Auffassungsgabe und kürzere Entscheidungszeiten. Sie können besser unter Zeitdruck arbeiten und sind aufgrund der noch nicht allzu lang zurückliegenden Ausbildung auf einem aktuelleren Wissensstand. Sie verfügen also über das, was Psychologen als "fluide Kompetenz" bezeichnen. In anderen Bereichen dagegen können die Jüngeren von den Älteren lernen: Diese können besser mit komplexen Sachverhalten und belastenden Situationen umgehen.

Redaktionsschluss: 18.05.2011

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