AOK
Baden-WürttembergBayernBremen-BremerhavenHssenNiedersachsenMecklenburg-VorpommernBerlinBrandenburgSchleswig-HolsteinWestfalen-LippeThüringenSachsenRheinland-PfalzSaarlandHamburgRheinlandSachsen-Anhalt

Willkommen bei Ihrer AOK für Unternehmen

Schrift anpassen:A-AA+

Pfadnavigation

Hauptinhalt

Schlaflosigkeit

Schlafstörungen bei Berufstätigen – ein Experteninterview

Interview mit dem Diplom-Psychologen Dr. Hans-Günter Weeß, Leiter des Interdisziplinären Schlafzentrums am Pfalzklinikum, Klingenmünster

Es gibt zahlreiche Formen und Ursachen von Schlafstörungen. Was sind aus Ihrer Erfahrung die häufigsten bei berufstätigen Menschen?

Dr. Weeß: Wissenschaftlich unterscheiden wir weit mehr als 80 verschiedene Formen und Ursachen von Schlafstörungen. Dabei können die Ursachen von Schlafstörungen organischer, psychischer, aber auch einfach medikamentöser Natur sein. Je älter der Mensch oder der Arbeitnehmer wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er an einer Schlafstörung erkrankt. Am häufigsten sind Ein- und Durchschlafstörungen bei Schichtarbeitern, da durch die Schichttätigkeit der Biorhythmus und damit der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört werden. Aber auch Schlafstörungen, welche auf die mangelnde Fähigkeit abzuschalten und damit unter beruflichen Stressbedingungen verstärkt auftreten, sind sehr häufig. Frauen scheinen davon etwas öfter betroffen zu sein als Männer. Nicht zuletzt müssen die schlafbezogenen Atmungsstörungen – das krankhafte Schnarchen – genannt werden; hier überwiegt das männliche Geschlecht. Sie treten überwiegend bei übergewichtigen Menschen auf, sodass Beschäftigte mit überwiegend sitzenden Tätigkeiten mit wenig Bewegung und nicht adäquater Ernährung – zum Beispiel LKW-Fahrer, Manager, Programmierer etc. – sehr häufig darunter leiden.

Was sind typische Risikofaktoren für Schlafstörungen?

Die Schichtarbeit ist ein großer Risikofaktor, aber nicht nur für die Entwicklung von Schlafstörungen, sondern auch für zahlreiche andere Erkrankungen, wie zum Beispiel Magen-Darm- oder gar Krebserkrankungen. Weiterhin stellen hohe Stressbelastungen am Arbeitsplatz, Überforderungssituationen, eine große Zahl an Mehrarbeitsstunden negative Faktoren für den Schlaf dar. Falsche Ernährung, Übergewicht, ein höheres Lebensalter, chronischer Schlafmittelkonsum müssen ebenfalls als Auslöser für Schlafstörungen genannt werden.

Gibt es typische Fehler, die berufstätige Menschen machen können, um sich um den Schlaf zu bringen?

Das größte Risiko stellt die mangelnde Fähigkeit abzuschalten dar. Viele Berufstätige arbeiten nachts im Bett weiter, lösen Probleme, entwickeln Konzepte oder machen sich einfach nur Sorgen in Bezug auf ihre berufliche Situation. Durch die erhöhte kognitive und emotionale Aktivität in der Nacht erhöht sich die innere Anspannung des Menschen. Diese ist mit Schlaf inkompatibel und führt zu Ein- und Durchschlafstörungen. Am nächsten Tag fühlen sich die Menschen am Arbeitsplatz wenig ausgeschlafen und leistungsfähig. Nicht selten entsteht ein Teufelskreis: Das fehlende Leistungsvermögen, die Schlafstörung führt zu vermehrter Anspannung in den Folgenächten und zu einer weiteren Verstärkung der Schlafstörung. In diesen Fällen können über Jahre andauernde chronische Schlafstörungen und chronischer Schlafmittelkonsum häufig beobachtet werden.

Was halten Sie von Mittagsschlaf im Betrieb, der ja eine Zeit lang ganz intensiv propagiert wurde?

Wissenschaftliche Studien haben die leistungsfördernde Wirkung eines kurzen Schlafes am Mittag belegen können. Allerdings muss streng darauf geachtet werden, dass der Schlaf nicht zu lange ausfällt, da circa 60 % der Bevölkerung auf das Auftreten von REM – oder umgangssprachlich Traumschlaf – während eines längeren Mittagschlafes mit Leistungsminderung und psychischen Verstimmungen reagieren.

Datum des Interviews: 04.11.2010

Marginalinhalt

Mitglied werden

Mitglied werden

Newsletter

Kostenfrei und schnell informiert mit dem Newsletter pa praxis aktuell DIREKT

Kostenfreie Hotline

AOK-Service-Telefon
0800 2650800 (kostenfrei)

Aus dem Ausland erreichbar
Tel.: +49 331 2772-1111
(zum Tarif des ausländischen Telefonanbieters)

Besuchen Sie uns auch hier

Besuchen Sie uns auf facebook
Besuchen Sie uns auf twitter
Besuchen Sie uns auf google+
Besuchen Sie uns auf you tube

BGF Online