AOK Logo
AOK
Baden-Württemberg Bayern Bremen-Bremerhaven Hssen Niedersachsen Mecklenburg-Vorpommern Berlin Brandenburg Schleswig-Holstein Westfalen-Lippe Thüringen Sachsen Rheinland-Pfalz Saarland HamburgRheinland Sachsen-Anhalt
Willkommen bei Ihrer AOK für Unternehmen
Schrift anpassen: A-AA+

Pfadnavigation

Hauptinhalt

Neue Regeln für Studentenjobs: „Werkstudentenprivileg“ erhält Update

© contrastwerkstatt / Fotolia
Studenten - Studentin mit Akten

Beschäftigungen gegen Arbeitsentgelt unterliegen der Sozial­versicherungs­pflicht. Von diesem Grund­satz werden Studenten unter bestimmten Vor­aus­setzungen aus­ge­nommen. In den einzelnen Versicherungs­zweigen bestehen teilweise unter­schiedl­iche Regelungen.

Personen, die überwiegend ihrem Studium nachgehen (nach der Rechtsprechung sogenannte ordentlich Studierende) und nebenher eine Beschäftigung ausüben, sind in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei (Werkstudentenprivileg).In der Rentenver­sicherung werden diese Studenten­jobs allerdings ausschließ­lich nach den Regelungen über die versicherungs­rechtliche Beurteilung von gering­fügig entlohnten oder kurz­fristigen Beschäftigungen be­urteilt. Das Werkstudentenprivileg findet in der Renten­versicherung deshalb keine Anwendung.

Werkstudentenprivileg

Nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG) setzt die Anwendung des Werkstudenten­privilegs neben dem förm­lichen Studium voraus, dass das Studium Zeit und Arbeitskraft des Studenten über­wiegend in An­spruch nimmt und er da­mit trotz der „neben“ dem Studium ausge­übten entgeltlichen Be­schäf­ti­gung seinem Erscheinungs­bild nach Student bleibt. Die Beschäf­tigung ist demge­mäß nur versicherungs­frei, wenn und solange sie „neben“ dem Studium aus­geübt wird, ihm nach Zweck und Dauer unterge­ordnet ist, mithin das Studium die Haupt­sache, die Beschäftigung die Neben­sache ist.

Die Frage, wann das Studium die Hauptsache und die Beschäftigung die Neben­sache ist, hat zu einer Vielzahl von Ent­scheidungen geführt. So stellte das BSG u.a. fest, dass Studenten, deren wöchentliche Arbeits­zeit nicht mehr als 20 Stunden beträgt, generell versicherungs­frei sind. Die Höhe des Arbeits­entgelts ist dabei unerheblich.

20-Stunden-Grenze

Bei Beschäftigungen am Wochenende sowie in den Abend- und Nachtstunden kann Versicherungsfreiheit aufgrund des Werkstudentenprivilegs auch bei einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden in Betracht kommen, wenn Zeit und Arbeitskraft des Studenten überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden.
Die Werkstudentenregelung greift jedoch dann nicht mehr, wenn eine derartige Beschäftigung mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden ohne zeitliche Befristung ausgeübt wird oder auf einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen befristet ist. 

Beispiel

Ein Student nimmt am 1.2.2017 eine unbefristete Be­schäftigung im Umfang von 25 Stunden pro Woche auf. Davon werden 7 Stunden nur am Wochen­ende geleistet. Versicherungsfreiheit aufgrund des Werk­studenten­privilegs besteht nicht, obwohl die wöchent­liche Arbeits­zeit von mehr als 20 Stunden dem nicht entgegen­steht, da sie sich mit Blick auf die Verteilung des Beschäftigungs­umfangs den Erfordernissen des Studiums anpasst. Die Versicherungs­freiheit ist deshalb ausge­schlossen, weil bei Aufnahme der unbe­fristeten Beschäftigung absehbar ist, dass sie über einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen im Umfang von mehr als 20 Stunden in der Woche ausgeübt werden wird. Es besteht daher Versicherungs­pflicht in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Wird eine Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von nicht mehr als 20 Wochenstunden lediglich in der vorlesungs­freien Zeit (Semester­ferien) auf mehr als 20 Stunden ausge­weitet, so bleibt auch für diese Zeit das studen­tische Erscheinungs­bild erhalten, sodass grundsätzlich Versicherungs­frei­heit aufgrund des Werk­studenten­privilegs anzunehmen ist. 

26-Wochen-Grenze

Im Zusammenhang mit der Ausübung mehrerer Beschäftig­ungen im Lauf des Jahres haben sich die Spitzen­organisationen der Sozial­versicherung zudem ent­schieden, die sogenannte 26-Wochen-Regelung auf den Ursprung ihrer Bedeutung zurück­zuführen.

Übt ein Student im Lauf eines Jahres (nicht Kalender­jahres) mehrmals eine Beschäfti­gung mit einer wöchent­lichen Arbeits­zeit von mehr als 20 Stunden aus, ist zu prüfen, ob er seinem Erscheinungs­bild nach noch als ordentlicher Studierender anzu­sehen ist oder bereits zum Kreis der Beschäftigten gehört. Von einer Zugehörig­keit zum Kreis der Beschäftigten ist in diesen Fällen auszu­gehen, wenn ein Student im Lauf eines Jahres mehr als 26 Wochen (182 Kalendertage) in einem Umfang von mehr als 20 Stunden wöchent­lich beschäftigt ist.

Voraussetzung für die Anwendung der 26-Wochen-Regelung ist nunmehr, dass Versicherungs­freiheit aufgrund des Werk­stu­den­ten­­privilegs dem Grunde nach einzu­räumen wäre, weil – trotz Überschreitens der 20-Wochenstunden-Grenze – die Vor­aus­setzungen für die Versicherung­sfreiheit für sich betrachtet erfüllt sind, also ein Studentenjob mit zeit­licher Befristung oder eine Beschäftigung ausschließlich während der vor­lesungs­freien Zeit (Semesterferien).

Beispiel

Ein Student übt vom 1.2. bis 31.3.2017 eine befristete Be­schäf­tigung im Umfang von 25 Wochenstunden aus, ohne dass die Arbeits­zeiten am Wochenende sowie in den Abend- und Nacht­stunden liegen.

Es bestanden in den letzten 12 Monaten folgende Vorbe­schäftigungen:
vom 1.4. bis 31.5.2016 im Umfang von 25 Std./Woche (5-Tage-Woche)
vom 1.7. bis 15.9.2016 im Umfang von 18 Std./Woche (5-Tage-Woche)

Versicherungsfreiheit aufgrund des Werkstudentenprivilegs besteht für die am 1.2.2017 aufgenommene Beschäftigung nicht, da die Arbeitszeit mehr als 20 Wochenstunden beträgt. Der Umstand, dass die Dauer der Beschäftigungen mit einer Arbeitszeit von mehr als 20 Std./Woche im Lauf eines Jahres (zurückgerechnet vom Ende der zu beurteilenden Be­schäf­tigung) nicht mehr als 26 Wochen beträgt, begründet keine Versicherungs­frei­heit aufgrund des Werk­studenten­privilegs. Es besteht daher Versicherungs­pflicht in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeits­losen­versicherung.

Neues Rundschreiben

Die Spitzenorganisationen der Sozialversicherung haben die ab 1. Januar 2017 geltenden Neuregelungen in einem über­arbeiteten Rundschreiben zur versicherungs­rechtlichen Beurteilung von beschäftigten Studenten und Praktikanten unter dem Datum vom 23. November 2016 zusammen­gefasst. Es löst die bisherige Fassung vom 27. Juli 2004 ab.

Stand: 14.1.2017