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Gleitzone - Beiträge

 Normen 

§ 20 Abs. 2 SGB IV
§ 226 Abs. 4 SGB V
§ 249 Abs. 4 SGB V
§ 58 Abs. 3, 5 SGB XI
§ 163 Abs. 10 SGB VI
§ 168 Abs. 1 Nr. 1d SGB VI
§ 344 Abs. 4 SGB III
§ 346 Abs. 1a SGB III

 Kurzinfo 

Für die Beitragsberechnung und Beitragstragung bei Beschäftigungen mit einem regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone (450,01 EUR bis 850,00 EUR) gelten in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung besondere Regelungen. Im Ergebnis haben die Arbeitgeber weiterhin ihren vollen Beitragsanteil zu den einzelnen Versicherungszweigen zu zahlen. Die Arbeitnehmer zahlen jedoch nur einen reduzierten Beitragsanteil auf der Basis eines fiktiv ermittelten Arbeitsentgelts.

Die Weiterentwicklung und deutliche Ausweitung dieser Gleitzone, die künftig „Übergangsbereich“ genannt wird, erfolgt zum 01.07.2019. Im Wesentlichen wird dabei die bisherige Obergrenze von 850,00 EUR auf 1.300,00 EUR angehoben. Darüber hinaus wird sich die Anwendung der besonderen Regelungen nicht länger rentenmindernd auswirken.

 Information 

1. Ermittlung des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts

Bei Arbeitnehmern, die gegen ein regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone beschäftigt sind, wird in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung für die Berechnung des Beitrags als beitragspflichtige Einnahme nicht das tatsächlich erzielte Arbeitsentgelt zugrunde gelegt, sondern ein Betrag, der nach folgender Formel berechnet wird:

F × 450 + ([850/(850 - 450)] - [450/(850 - 450)] × F) × (AE - 450)
AE = Arbeitsentgelt

Der Faktor "F" wird aus dem durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitrag eines Kalenderjahres ermittelt und jedes Jahr neu angepasst. Für Zeiträume seit dem 01.01.2019 beträgt der Faktor "F" 0,7566.

Die Formel kann für die Zeiträume bis 30.06.2019 wie folgt vereinfacht werden:
Beitragspflichtige Einnahme = 1,273825 x AE - 232,75125

Hinweis:

Für Beschäftigungsverhältnisse, die bereits am 31.12.2012 bestanden haben und deren regelmäßiges Arbeitsentgelt (weiterhin) 400,01 EUR bis 450,00 EUR betrug, galten bis zum 31.12.2014 Übergangsregelungen. Für sie waren weiterhin die bis 31.12.2012 geltende Gleitzonenformel anzuwenden (vgl. Stichwort Gleitzone - Übergangsregelung).

Von der auf diese Weise ermittelten Beitragsbemessungsgrundlage sind zunächst die vollen Beiträge je Versicherungszweig zu ermitteln. Hierzu wird die Bemessungsgrundlage mit dem halben Beitragssatz des jeweiligen Sozialversicherungszweiges multipliziert und anschließend verdoppelt. Im nächsten Schritt wird der Arbeitgeberbeitragsanteil ermittelt. Dieser berechnet sich jedoch nicht aus dem fiktiven, sondern aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt.

Der Arbeitnehmerbeitragsanteil ergibt sich durch folgende Rechnung:

 Gesamtsozialversicherungsbeitrag auf Basis der reduzierten beitragspflichtigen Einnahmen
./.Arbeitgeberbeitragsanteil auf Basis des tatsächlichen Arbeitsentgelts
=Arbeitnehmerbeitragsanteil

Die Berechnung ist für jeden einzelnen Sozialversicherungszweig durchzuführen.

Wichtig:
Die Beiträge aufgrund des seit dem 01.01.2015 geltenden kassenindividuellen Zusatzbeitragssatzes sind seit 01.01.2019 auch in den Gleitzonenfällen vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam zu tragen; die alleinige Beitragstragung durch den Arbeitnehmer ist weggefallen zu tragen; die alleinige Beitragstragung durch den Arbeitnehmer ist weggefallen. Der jeweilige Zusatzbeitrag ist in gleicher Weise wie auch die übrigen Beiträge zu berechnen; die Bemessungsgrundlage wird also mit dem halben Zusatzbeitragssatz multipliziert und der Betrag anschließend verdoppelt.

Beispiel 1:

Sachverhalt:
Ein Arbeitnehmer erzielt im Kalenderjahr 2019 ein regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt i.H.v. 650,00 EUR. Der Arbeitnehmer ist Mitglied einer Krankenkasse; es gilt somit der bundeseinheitliche Beitragssatz i.H.v. 14,6 %; die Krankenkasse erhebt einen Zusatzbeitrag i.H.v. 1,0 %.

Beurteilung:
Die Beitragsbemessungsgrundlage für den Arbeitnehmer errechnet sich wie folgt:

1,273825 × 650 - 232,75125 = 595,24

Berechnung der Krankenversicherungsbeiträge:

Arbeitgeber-Beitragsanteil: 
650,00 EUR × 7,3 %= 47,45 EUR
650,00 EUR x 0,5 %= 3,25 EUR
Arbeitnehmer-Beitragsanteil:  
595,24 EUR × 7,3 % =
43,45 EUR
  
43,45 EUR × 2 =
86,90 EUR
  
 86,90 EUR
- 47,45
= 39,45 EUR
595,24 EUR × 0,5 % = 2,98 EUR  
2,98 EUR x 2 = 5,96 EUR  
 5,96 EUR - 3,25 EUR= 2,71 EUR
Gesamtbeitrag zur KV = 92,86 EUR

Die Beiträge zur Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung berechnen sich auf die gleiche Weise. Seit 01.01.2005 ist zu berücksichtigen, dass ein zusätzlicher Beitrag i.H.v. 0,25 % in der sozialen Pflegeversicherung für kinderlose Mitglieder erhoben wird (vgl. hierzu auch Pflegeversicherung - Beiträge); der zusätzliche Beitrag ist vom Mitglied zu tragen und bei Anwendung der Gleitzone von der reduzierten Bemessungsgrundlage gesondert zu errechnen.

Bei schwankenden Arbeitsentgelten kann es vorkommen, dass zwar das ermittelte regelmäßige Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone (künftig „Übergangsbereich“) liegt, jedoch in einzelnen Monaten das erzielte Arbeitsentgelt die Grenzen der Gleitzone über- oder unterschreitet. In diesem Fall gilt:

Praxistipp:

Übersteigt das Arbeitsentgelt die obere Grenze von 850,00 EUR sind die Beiträge - wie üblich - grundsätzlich je zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu tragen. Besonderheiten der Gleitzone sind also nicht zu berücksichtigen.

Wird jedoch ein Arbeitsentgelt von unter 450,01 EUR erzielt, ist ein fiktives Arbeitsentgelt nach folgender Rechnung zu ermitteln:

Tatsächliches Arbeitsentgelt × Faktor "F" = beitragspflichtige Einnahme

Auf der Basis des so ermittelten Betrages ist - wie oben beschrieben - die Summe der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitragsanteile je Versicherungszweig zu ermitteln.

Beispiel 2:

Sachverhalt:
Eine Arbeitnehmerin hat ein regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt i.H.v. 500,00 EUR. Aufgrund von Arbeitsschwankungen erzielt sie im Monat Juli 2019 lediglich ein Arbeitsentgelt i.H.v. 300,00 EUR.

Beurteilung:
Das beitragspflichtige Arbeitsentgelt wird für den Monat Juli wie folgt ermittelt:

300,00 EUR × 0,7566 = 226,98 EUR

Der Arbeitnehmer-Beitragsanteil wird aus dem fiktiven Arbeitsentgelt i.H.v. 226,98 EUR berechnet, der Arbeitgeberbeitragsanteil wird vom tatsächlichen Arbeitsentgelt (hier: 300,00 EUR) berechnet.

2. Einmaliges Arbeitsentgelt

Wird in einem Abrechnungsmonat ein einmaliges Arbeitsentgelt gezahlt (z.B. Urlaubs- oder Weihnachtsgeld) findet keine anteilige Berücksichtigung dieser Sonderzahlung statt. Das einmalig gezahlte Arbeitsentgelt wird vielmehr in voller Höhe dem laufenden Arbeitsentgelt zugerechnet. Wird dadurch die obere Gleitzonengrenze von 850,00 EUR überschritten, sind die Beiträge vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer - unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Beitragstragungsanteile - zu tragen. Soweit hingegen die Summe aus laufendem und einmaligem Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone (künftig „Übergangsbereich“) liegt, wird das Gesamtarbeitsentgelt in die Gleitzonenformel eingestellt.

Beispiel:

Sachverhalt:
Ein Arbeitnehmer erzielt ein regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt von 600,00 EUR; die Beiträge werden nach den Regelungen der Gleitzone berechnet. Im Monat August 2019 erhält der Arbeitnehmer eine Sonderzuwendung i.H.v. 100,00 EUR.

Beurteilung:
Das Gesamtarbeitsentgelt beträgt im Monat August 2019 700,00 EUR. Da die obere Gleitzonen-Grenze von 850,00 EUR nicht überschritten wird, ist das Gesamtarbeitsentgelt in die Gleitzonenformel einzustellen. Es ergibt sich ein beitragspflichtiges (fiktives) Arbeitsentgelt von 658,93 EUR.

Sofern in einem Entgeltabrechnungszeitraum wegen Arbeitsunfähigkeit kein laufendes Arbeitsentgelt und damit keine SV-Tage vorhanden sind und der Arbeitnehmer eine Einmalzahlung (z.B. Urlaubsgeld) erhält, ist zunächst zu prüfen, ob das Beschäftigungsverhältnis aufgrund der Höhe des (ausgefallenen) Arbeitsentgelts in der Gleitzone liegt. Ist dies der Fall und übersteigt das ausgefallene laufende Arbeitsentgelt zusammen mit der Einmalzahlung die obere Gleitzonengrenze von 850,00 EUR nicht, sind die besonderen Regelungen der Gleitzone anzuwenden. Sofern der Betrag der Einmalzahlung dabei die untere Gleitzonengrenze von 450,01 EUR unterschreitet, ist die Einmalzahlung für die Ermittlung der beitragspflichtigen Einnahme mit dem Faktor "F" (2019: 0,7566) zu multiplizieren.

3. Teilmonate

Wird Arbeitsentgelt nur für einen Teilmonat erzielt, ist - ausgehend von der beitragspflichtigen Einnahme eines vollen Monats - das anteilige beitragspflichtige Arbeitsentgelt zu errechnen. Zu diesem Zweck ist das Teilarbeitsentgelt zunächst auf einen Monat hochzurechnen. Erst dann kann das fiktive Arbeitsentgelt anhand der o.g. Berechnungsformel ermittelt werden. Dieses fiktive Monatsentgelt ist dann wieder auf die tatsächliche Anzahl der Arbeitstage herunterzurechnen.

Beispiel:

Sachverhalt:
Ein Arbeitnehmer nimmt am 21.09.2019 eine Beschäftigung auf. Das vereinbarte monatliche Arbeitsentgelt beträgt 600,00 EUR. Für den Teilmonat September 2019 (zehn Beschäftigungstage) wird ein Arbeitsentgelt von 200,00 EUR gezahlt.

Beurteilung:
In die Formel wird zunächst das "volle" Monatsentgelt i.H.v. 600,00 EUR eingestellt. Es ergibt sich daraus ein fiktives Arbeitsentgelt von 531,54 EUR.

Dieses fiktive Monatsentgelt wird nun wieder auf zehn Beschäftigungstage heruntergerechnet. Daraus ergibt sich eine Beitragsbemessungsgrundlage von (531,54 EUR ÷ 30 × 10 =) 177,18 EUR für September 2019.

Die dargestellte Vorgehensweise kann bei Zahlung einer Einmalzahlung dazu führen, dass der Arbeitgeberbeitragsanteil höher ist als der sich auf der Basis der (reduzierten) beitragspflichtigen Einnahme ergebende Gesamtsozialversicherungsbeitrag. In diesen Fällen ist vom Arbeitgeber nur der Gesamtsozialversicherungsbeitrag zu zahlen; vom Arbeitnehmer ist - mit Ausnahme des Beitragszuschlags bei Kinderlosigkeit in der Pflegeversicherung - kein Beitragsanteil einzubehalten.

Besonderheit bei unbezahltem Urlaub

Die Ausführungen zur Berechnung der beitragspflichtigen Einnahmen bei Teilmonaten gelten allerdings nur in den Fällen, in denen (z.B. wegen Ablaufs der Entgeltzahlung bei Arbeitsunfähigkeit oder bei Beginn oder Ende der Beschäftigung im Laufe eines Kalendermonats) eine Kürzung der Sozialversicherungstage (SV-Tage) vorgenommen wird.

Bei einem unbezahlten Urlaub gilt eine Beschäftigung als fortbestehend, solange das Beschäftigungsverhältnis ohne Anspruch auf Arbeitsentgelt fortdauert, jedoch nicht länger als einen Monat. Dies bedeutet, dass für Zeiträume von Arbeitsunterbrechungen wegen unbezahlten Urlaubs bis zu einem Monat SV-Tage anzusetzen sind.

In der Konsequenz ist in Gleitzonenfällen eine Hochrechnung zur Ermittlung der anteiligen beitragspflichtigen Einnahme nicht erforderlich, wenn keine Kürzung der SV-Tage vorgenommen wird. Folglich ist bei einem unbezahlten Urlaub von nicht länger als einem Monat das tatsächlich erzielte (Rest-)Arbeitsentgelt als monatliches Arbeitsentgelt anzusehen.

Beispiel:

monatliches Arbeitsentgelt750,00 EUR
unbezahlter Urlaub vom21.09.2019 bis 30.09.2019
Arbeitstage im September20 Tage
SV-Tage im September30 Tage
tatsächliches anteiliges Arbeitsentgelt
(20/30 von 750,00 EUR =)
500,00 EUR
Ermittlung der beitragspflichtigen Einnahme: 
1,273825 x 500 - 232,75125 =404,16 EUR

4. Mehrere Beschäftigungen

4.1 Anwendung der Gleitzonenregelung

Werden mehrere Beschäftigungen ausgeübt, kann die Gleitzonenregelung auch dann Anwendung finden, wenn die einzelnen Arbeitsentgelte zwar unter der Grenze von 450,01 EUR, jedoch insgesamt innerhalb der Gleitzone liegen. Allerdings ist in diesen Fällen eine erweiterte Formel zur Ermittlung der beitragspflichtigen Arbeitsentgelte anzuwenden. Sie lautet:

(F × 450 + [850/(850 - 450)] - [450/(850 - 450)] × F) × (GAE - 450) × EAE
GAE

F = 0,7566 (seit dem 01.01.2019)
GAE = Gesamtarbeitsentgelt
EAE = Einzelarbeitsentgelt

Beispiel:

Sachverhalt:
Ein Arbeitnehmer übt im September 2019 folgende Beschäftigungen aus:
bei Arbeitgeber A gegen ein monatliches Arbeitsentgelt von 350,00 EUR,
bei Arbeitgeber B gegen ein monatliches Arbeitsentgelt von 370,00 EUR.

Beurteilung:
Die Beschäftigungen sind beide aufgrund der Zusammenrechnung nicht geringfügig entlohnt und somit versicherungspflichtig (Geringfügige Beschäftigung - 450-EUR-Job). Da das Gesamtarbeitsentgelt (720,00 EUR) aber noch innerhalb der Gleitzone liegt, ist die besondere Beitragsberechnung anzuwenden.

Für Arbeitgeber A ergibt sich folgende Berechnung:

(F × 450 + [850/(850 - 450)] - [450/(850 - 450)] × F) × (720 - 450) × 350
720

Das beitragspflichtige Arbeitsentgelt zur Berechnung des Arbeitnehmerbeitragsanteils beträgt 332,70 EUR. Der Arbeitgeber-Beitragsanteil ist aus dem vollen Arbeitsentgelt (350,00 EUR) zu berechnen.

Für Arbeitgeber B ergibt sich folgende Berechnung:

(F x 450 + [850/(850 - 450)] - [450/(850 - 450)] x F) x (720 - 450) x 370
720

Das beitragspflichtige Arbeitsentgelt zur Berechnung des Arbeitnehmerbeitragsanteils beträgt 351,71 EUR. Der Arbeitgeber-Beitragsanteil ist aus dem vollen Arbeitsentgelt (370,00 EUR) zu berechnen.

4.2 Besonderheiten bei Hinzutritt einer Beschäftigung

Sofern die Mehrfachbeschäftigung in der Gleitzone (künftig „Übergangsbereich“) für volle Kalendermonate besteht, ist das oben unter Abschnitt 4.1 beschriebene Verfahren zur Ermittlung der jeweiligen beitragspflichtigen Entgelte anzuwenden. Beginnt oder endet jedoch die Mehrfachbeschäftigung in der Gleitzone im Laufe eines Kalendermonats gelten Besonderheiten. Näheres hierzu kann dem Gemeinsamen Rundschreiben der Spitzenorganisationen der Sozialversicherung vom 09.12.2014 entnommen werden.

5. Veränderte Regelungen seit dem 01.01.2015

Bei Arbeitnehmern mit mehreren Beschäftigungsverhältnissen, deren Arbeitsentgelte in der Summe innerhalb der Gleitzone liegen, stellte die Krankenkasse für Zeiträume bis einschließlich 2014 den Anspruch auf einen Sozialausgleich fest. Voraussetzung hierfür war, dass die Arbeitgeber das jeweils beitragspflichtige Arbeitsentgelt mit einer GKV-Monatsmeldung übermittelten. Das Verfahren wurde gleichermaßen genutzt, um den beteiligten Arbeitgebern die für die Berechnung der Beiträge nach den besonderen Regelungen der Gleitzone erforderlichen Arbeitsentgelte mitzuteilen.

Mit dem "Gesetz zur Weiterentwicklung der Finanzstruktur und der Qualität in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Finanzstruktur- und Qualitäts-Weiterentwicklungsgesetz - GKV-FQWG)" wurde die Finanzierung der GKV - beginnend mit dem 01.01.2015 - neu ausgerichtet. Eine wesentliche Neuregelung besteht darin, den bislang bundeseinheitlichen Beitragssatz von 15,5 % auf 14,6 % abzusenken - die daraus resultierenden Beiträge werden je zur Hälfte vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer getragen; der besondere Beitragsanteil des Arbeitnehmers i.H.v. 0,9 % entfällt. Die besonderen Regelungen zur Beitragstragung bei Beschäftigungen in der Gleitzone gelten unverändert weiter.

Gleichzeitig werden Zusatzbeiträge nicht länger pauschal erhoben; vielmehr setzt jede Krankenkasse ihren individuellen Zusatzbeitrag in einem Prozentsatz fest. In der Folge gelten seit dem 01.01.2015 wieder unterschiedliche kassenindividuelle Beitragssätze. Der Zusatzbeitrag bislang wird ausschließlich vom Mitglied getragen und künftig im sog. Quellenabzugsverfahren einbehalten - Arbeitgeber halten die Beiträge (auch den Zusatzbeitrag) also direkt ein und leiten sie an die Krankenkasse weiter.

Die Berechnung des Zusatzbeitrages ist auch bei Anwendung der Gleitzone - neben dem sonstigen Arbeitnehmerbeitragsanteil - gesondert vorzunehmen. Der vom Beschäftigten allein zu tragende Beitragsanteil ist dabei durch Anwendung des Zusatzbeitragssatzes auf die reduzierte beitragspflichtige Einnahme (hier also das Gleitzonenentgelt) zu berechnen und dem nach den besonderen beitragsrechtlichen Regelungen für die Gleitzone ermittelten Arbeitnehmerbeitragsanteil hinzuzurechnen.

Darüber hinaus gilt: Der bisherige Meldedialog zwischen Krankenkasse und Arbeitgeber ist seit dem 01.01.2015 deutlich reduziert. Im Falle von Mehrfachbeschäftigung sind GKV-Monatsmeldungen nur noch für Zwecke der Feststellung, ob die Beitragsbemessungsgrenzen der einzelnen Sozialversicherungszweige überschritten werden, abzugeben - und zwar ausschließlich auf Anforderung der Krankenkasse.

Wichtig:
Für Zwecke des künftig ohnehin nicht mehr vorgesehenen Sozialausgleichs sowie für Zwecke der Gleitzonenberechnung findet der Meldedialog seit dem 01.01.2015 keine Anwendung mehr.

6. Aktuelle Rechtsentwicklung

Der von den Regierungsparteien von CDU, CSU und SPD geschlossene Koalitionsvertrag sieht u. a. eine deutliche Ausweitung der Gleitzone vor. Entsprechende Regelungen werden mit dem Gesetz über Leistungsverbesserungen und Stabilisierung in der gesetzlichen Rentenversicherung (RV-Leistungsverbesserungs- und -Stabilisierungsgesetz)“ umgesetzt. Erreicht wird dies durch eine Anhebung der oberen Gleitzonengrenze von bislang 850,00 EUR auf 1.300,00 EUR. Nach wie vor soll gelten, dass der Arbeitnehmer nur einen reduzierten Beitragsanteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag zu zahlen hat.

Bei Arbeitnehmern, die gegen ein regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone, die künftig „Übergangsbereich“ genannt wird, beschäftigt sind, wird in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung für die Berechnung des Beitrags als beitragspflichtige Einnahme auch künftig nicht das tatsächlich erzielte Arbeitsentgelt zugrunde gelegt, sondern ein Betrag, der nach folgender Formel berechnet wird:

(F x 450 + [1.300/(1.300 - 450)] - [450/(1.300 - 450)] x F) x (AE - 450)

AE = Arbeitsentgelt
F = Faktor „F“

Trotz des sich bei Anwendung der Gleitzone weiterhin reduzierten Arbeitsentgelts wird künftig das tatsächliche Arbeitsentgelt der späteren Rentenberechnung zugrunde gelegt werden. Die reduzierte Beitragsbemessung wird sich also nicht länger rentenmindernd für den Arbeitnehmer auswirken.

Die Regelungen treten am 01.07.2019 in Kraft.