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Versetzung - Ort der Arbeitsleistung

 Information 

1. Allgemeines

Der Arbeitgeber darf mit seinem Weisungsrecht aus § 106 Satz 1 GewO auch den "Ort ... der Arbeitsleistung" bestimmen. Die Zuweisung einer anderen räumlichen Einheit kann sowohl im Betrieb als Arbeitsort als auch außerhalb des bisherigen Arbeitsorts erfolgen. Das Vorliegen einer echten Änderung des Arbeitsorts wird man aber nur annehmen können, wenn tatsächlich ein Ortswechsel stattfindet. Arbeitsort ist in der Regel der Betriebssitz des Arbeitgebers in einer politischen Gemeinde. Der konkrete Ort der Arbeitsleistung wird in der Regel im Arbeitsvertrag festgelegt.

Praxistipp:

Die Vereinbarung eines konkreten Arbeitsorts ist für Arbeitgeber mit mehreren Betrieben oft nachteilig. Sie verkürzen damit ihr Direktionsrecht. Zur Erhaltung weit gehender Flexibilität wird daher empfohlen, eine Versetzungsklausel in den Arbeitsvertrag aufzunehmen: "Der Arbeitgeber behält sich das Recht vor, den/die Mitarbeiter/in im Bedarfsfall auch an einem anderen Arbeitsort und/oder bei einer anderen Gesellschaft des Konzerns entsprechend seiner/ihrer Vorbildung und seinen/ihren Fähigkeiten für gleichwertige Tätigkeiten einzusetzen. Hierbei werden die persönlichen Belange des Mitarbeiters/der Mitarbeiterin angemessen berücksichtigt."

Die Bestimmung des Arbeitsorts via Direktionsrecht ist nach § 106 Satz 1 GewO an billiges Ermessen und weitere Voraussetzungen gebunden. Ist der Ort der Arbeitsleistung vertraglich fest vereinbart, ist eine Versetzung über das Weisungsrecht ausgeschlossen. Hier würde dann in den Vertrag eingegriffen - und das verlangt eine Änderungskündigung. Diese Änderungskündigung muss im Anwendungsbereich des Kündigungsschutzgesetzes durch dringende betriebliche Erfordernisse bedingt und sozial gerechtfertigt sein. Selbst eine Betriebsverlegung erlaubt keine schrankenlose Versetzung - erfolgt sie an einen anderen Ort oder ist sie mit einer wesentlichen Änderung der Arbeitsumstände verbunden, verlangt auch das eine Änderungskündigung.

2. Ort der Arbeitsleistung

Der Arbeitsvertrag ist ein Schuldverhältnis. Der Ort, an dem die vertraglich geschuldete Arbeit zu leisten ist, steht in der Regel im Arbeitsvertrag.

Beispiel:

Die Zell & Lloyd GmbH betreibt mehrere Kinos in Norddeutschland. Sie akquiriert ihre Mitarbeiter meistens vor Ort und setzt sie auch nur dort ein. Eine dafür passende Vertragsklausel könnte lauten: "Der Arbeitgeber setzt den/die Arbeitnehmer/in in seinem Kino in X-Stadt ein." Mit dieser Abmachung wird X-Stadt als Ort der Arbeitsleistung festgelegt.

Aber aufpassen: Die Vereinbarung eines bestimmten Arbeitsorts hat für den Arbeitgeber kündigungsschutzrechtlich den großem Vorteil, dass sich die Sozialauswahl bei einer betriebsbedingten Kündigung nur auf die an diesem Arbeitsort beschäftigten Mitarbeiter erstreckt. Der Arbeitgeber braucht keine Arbeitnehmer mit in die soziale Auswahl einzubeziehen, die er an anderen Orten beschäftigt. Das führt im Ergebnis zu einer Verbesserung der Kündigungschancen - hat auf der anderen Seite aber den Nachteil, dass eine Versetzung via Direktionsrecht ausgeschlossen ist.

Ist

  • kein Ort für die Arbeitsleistung bestimmt und

  • auch nicht aus den Umständen, insbesondere aus der Natur des Schuldverhältnisses, zu entnehmen,

hat die Leistung an dem Ort zu erfolgen, an dem der Schuldner zur Zeit der Entstehung des Schuldverhältnisses seinen Wohnsitz hat (§ 269 Abs. 1 BGB).

Beispiele:

  1. (1)

    Die Renow & Püschow OHG betreibt ein großes Autohaus in Y-Stadt. Die Arbeitsverträge, die sie mit ihren Arbeitnehmern schließt, enthalten keine Regelung über den Arbeitsort. Da die Mitarbeiter der Renow & Püschow OHG ihre vertraglich geschuldete Arbeit nur am Standort Y-Stadt leisten können, ist Y-Stadt nach § 269 Abs. 1 der Ort der Arbeitsleistung. Er folgt aus den Umständen: der Natur des Schuldverhältnisses Arbeitsvertrag.

  2. (2)

    Die Honder KG betreibt mehrere Autohäuser im Münsterland. Vorstellungs- und Vertragsgespräche mit Arbeitnehmern finden jeweils in der Münsteraner Zentrale statt. Für die Bewerbungen wird jeweils eine Anzeige mit dem Text "Für unser Autohaus in .. suchen wir eine/n engagierte/n Fachverkäufer/in" geschaltet. Mit Gewissheit ist hier der Ort, in dem das jeweilige Autohaus liegt, Ort der Arbeitsleistung. Ob darüber hinaus auch andere Standorte Ort der Arbeitsleistung sind, muss sich aus den weiteren Umständen ergeben.

In der Regel ist der Betrieb des Arbeitgebers der Ort der Arbeitsleistung. Etwas anderes macht nach "den Umständen, insbesondere aus der Natur des Schuldverhältnisses" ja keinen Sinn. Wo soll der Arbeitnehmer denn sonst arbeiten, wenn nicht im Betrieb des Arbeitgebers...

Der Ort der Arbeitsleistung gehört nach § 2 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 NachwG sogar zu den nachweispflichtigen Vertragsbedingungen. Schwierig wird die Bestimmung des Arbeitsorts allerdings, wenn der Arbeitgeber mehrere Betriebsstätten hat. Soll der Arbeitnehmer nicht nur an einem bestimmten Arbeitsort tätig sein, verlangt der Arbeitsnachweis einen "Hinweis darauf, dass der Arbeitnehmer an verschiedenen Orten beschäftigt werden kann".

Für Außendienstmitarbeiter und Reisende etc. gelten besondere Regeln.

3. Änderung des Orts der Arbeitsleistung

Der Arbeitgeber hat nach § 106 GewO das Recht, den Ort der Arbeitsleistung "nach billigem Ermessen näher" zu bestimmen, soweit diese Arbeitsbedingung nicht durch

  • den Arbeitsvertrag,

  • Bestimmungen einer Betriebsvereinbarung,

  • Bestimmungen eines anwendbaren Tarifvertrags oder

  • gesetzliche Vorschriften

festgelegt ist.

Beispiel:

Die Zell & Lloyd GmbH nimmt in die Arbeitsverträge ihrer Mitarbeiter eine Versetzungsklausel auf. Darin behält sie sich vor, Arbeitnehmer unter Abwägung ihrer betrieblichen Interessen und der persönlichen Interessen dieser Mitarbeiter auch in ein anderes Kino zu versetzen - aber nicht weiter als in eine Betriebsstätte, die in einem Radius von 50 km um den ersten Arbeitsort liegt. Georg Kluhny, ein Mitarbeiter des Ticket-Schalters, soll vom Kino A ins Kino B versetzt werden. Liegen die vertraglich vereinbarten Voraussetzungen vor, kann die Zell & Lloyd GmbH diese Versetzung mit ihrem Weisungsrecht nach § 106 Satz 1 GewO vornehmen.

Ist der Ort der Arbeitsleistung vertraglich genau festgelegt, kommt eine Versetzung via Direktionsrecht nicht in Betracht. Der Arbeitgeber muss in diesem Fall eine Änderungskündigung aussprechen.

Beispiel:

Die Renow & Püschow OHG aus einem der oberen Beispielfälle entschließt sich, zu expandieren. Sie eröffnet in X-Stadt ein weiteres Autohaus. Das läuft zunächst mit den neu eingestellten Arbeitnehmern auch gut an - nach kurzer Zeit kommt es jedoch zu Problemen im Firmenkundengeschäft. Die Renow & Püschow OHG beschließt, ihren X-Städter Firmenkundenbetreuer nach Y-Stadt zu versetzen. Der hatte seinerzeit jedoch bei Vertragsschluss auf folgende Abmachung bestanden: "X-Stadt wird als fester Arbeitsort vereinbart." Damit liegt ein arbeitsvertragliches Versetzungshindernis vor. Die Renow & Püschow OHG muss eine Änderungskündigung aussprechen - für die sie natürlich dringende betriebliche Erfordernisse braucht.

Der Ort der Arbeitsleistung ist in der Regel der Betriebssitz des Arbeitgebers. Dieser Betriebssitz liegt in einer politischen Gemeinde, die räumlich durch ihre Gemeindegrenzen abgesteckt ist. Insoweit ist es für die Annahme einer Änderung des Arbeitsorts unerheblich, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer innerhalb des Betriebs oder innerhalb der politischen Gemeinde, in der sein Betrieb sitzt, einen anderen Arbeitsbereich zuweist.

Beispiele:

  1. (1)

    Die Hannes & Moritz GmbH, ein deutschlandweit tätiges Unternehmern des Textileinzelhandels, weist Fachverkäuferin Manu Lassma in ihrer Z-Städter Filiale an, ab dem 01.06. statt wie bisher in der Damenabteilung in der Jugendabteilung zu arbeiten. Der funktionale Aufgabenbereich von Manu - der Verkauf von Textilien an Kunden - bleibt der gleiche. Der Ort der Arbeitsleistung - Z-Stadt - auch. Manus Wechsel von der Damen- in die Jugendabteilung ist keine Änderung des Orts der Arbeitsleistung - selbst wenn die Jugendabteilung der X-Städter Filiale auf einer anderen Etage der Betriebsstätte liegen sollte.

  2. (2)

    Die osCar GmbH, ein Kurierdienst, hat im niedersächsischen Osnabrück mehrere Betriebsstätten, von denen sie ihre Touren innerhalb Osnabrücks und in das angrenzende Umland fährt. Kurierfahrer Harry Hodrodt wurde bisher in der Filiale OS-Nord eingesetzt. Die osCar GmbH weist ihn an, ab dem 01.10. von der Filiale OS-West aus zu fahren. Auch hier liegt keine Änderung des Arbeitsorts vor, die mit einer Änderungskündigung durchgesetzt werden muss - Tätigkeit (Kurierfahrten) und Arbeitsort (Osnabrück) blieben gleich.

Bei einer Betriebsverlegung wird man,

  • wenn die Verlegung innerhalb derselben politischen Gemeinde, also innerhalb des Arbeitsorts, stattfindet, eine Versetzung für ausreichend,

  • wenn die Verlegung nicht innerhalb derselben politischen Gemeinde, sondern an einen entfernteren Ort stattfindet, eine Änderungskündigung für erforderlich

halten.

Die einvernehmliche Änderung des Orts der Arbeitsleistung ist immer möglich. Sie setzt allerdings voraus, dass beide Vertragspartner mit dieser Änderung einverstanden sind.

Soweit es den Ort der Arbeitsleistung als Teil des Arbeitsbereichs im Sinn des § 95 Abs. 3 BetrVG betrifft, wird auf Gliederungspunkt 3. des Stichworts Versetzung - Inhalt der Arbeitsleistung verwiesen.

4. Rechtsprechungs-ABC

An dieser Stelle werden einige der interessantesten Entscheidungen zum Thema Versetzung und Ort der Arbeitsleistung in alphabetischer Reihenfolge nach Stichwörtern geordnet hinterlegt:

4.1 AGB-Prüfung

Der Arbeitgeber hat mit seinem arbeitsvertraglichen Weisungsrecht die Befugnis, seinen Mitarbeitern nach Vorgabe des § 106 GewO einen anderen als den bisherigen Arbeitsort zuzuweisen. Soll die Wirksamkeit einer Versetzung, die auf AGB-Regelungen i. S. der §§ 305 ff. BGB beruht, vom Arbeitsgericht geprüft werden, hat das Arbeitsgericht im ersten Schritt den Inhalt der vertraglichen Regelungen unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls durch Auslegung zu ermitteln (s. dazu BAG, 25.08.2010 - 10 AZR 275/09). Dabei hat es festzustellen, "ob ein bestimmter Tätigkeitsinhalt und Tätigkeitsort vertraglich festgelegt sind und welchen Inhalt ein ggf. vereinbarter Versetzungsvorbehalt hat" (BAG, 30.11.2016 - 10 AZR 11/16 - mit Hinweis auf BAG, 13.11.2013 - 10 AZR 1082/12).

4.2 Arbeitsbereich

Zum Arbeitsbereich eines Arbeitnehmers im Sinn des § 95 Abs. 3 Satz 1 BetrVG gehören sowohl seine Aufgabe und Verantwortung als auch die Art seiner Tätigkeit und deren Einordnung in die Arbeitsabläufe des Betriebs. Der Begriff "Arbeitsbereich" ist räumlich und funktional zu verstehen. Neben der Art der Tätigkeit und dem eingerichteten Platz in der Organisation des Betriebs umfasst er auch den Ort der Arbeitsleistung. "Um die Zuweisung eines anderen Arbeitsbereichs handelt es sich, wenn sich das gesamte Bild der Tätigkeit des Arbeitnehmers so verändert hat, dass die neue Tätigkeit vom Standpunkt eines mit den betrieblichen Verhältnissen vertrauten Beobachters als eine 'andere' anzusehen ist" (BAG, 16.03.2010 - 3 AZR 31/09).

4.3 Betriebsverlegung

Bei einer Betriebsverlegung ist eine Versetzung nach §§ 99 Abs. 1, 100 BetrVG in Verbindung mit § 95 Abs. 3 BetrVG mitbestimmungspflichtig, wenn den Arbeitnehmern "ein anderer, räumlich nicht unerheblich entfernter Arbeitsort zugewiesen wird". Hier wird nämlich der Arbeitsbereich geändert. Das gilt umso mehr gilt, wenn nicht nur eine "ansonsten intakt bleibende organisatorische Einheit" verlegt wird, sondern der zunächst bestehende Betriebsteil vom Restbetrieb abgespalten und danach "unter Verlust seiner Identität in den erheblich größeren Betrieb" an einem anderen Standort eingegliedert wird. Hier bedeutet die Eingliederung in eine fremde neue Betriebsorganisation für die betroffenen Arbeitnehmer des Betriebsteils in jedem Fall "eine erhebliche Änderung der Umstände, unter denen die Arbeit zu leisten ist" (LAG Köln, 19.03.2004 - 8 TaBV 13/04).

4.4 "Heimatbasis"

"Art. 19 Nr. 2 Buchst. a der Verordnung (EG) Nr. 44/2001 des Rates vom 22. Dezember 2000 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen ist dahin auszulegen, dass im Fall der Klage eines Mitglieds des bei einer Fluggesellschaft beschäftigten oder ihr zur Verfügung gestellten Flugpersonals zur Klärung der Zuständigkeit des angerufenen Gerichts der Begriff 'Ort, an dem der Arbeitnehmer gewöhnlich seine Arbeit verrichtet' im Sinne dieser Vorschrift nicht mit dem Begriff 'Heimatbasis' im Sinne von Anhang III der Verordnung (EWG) Nr. 3922/91 des Rates vom 16. Dezember 1991 zur Harmonisierung der technischen Vorschriften und der Verwaltungsverfahren in der Zivilluftfahrt in der durch die Verordnung (EG) Nr. 1899/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. Dezember 2006 geänderten Fassung gleichgesetzt werden kann. Der Begriff 'Heimatbasis' ist jedoch ein wichtiges Indiz für die Bestimmung des 'Ortes, an dem der Arbeitnehmer gewöhnlich seine Arbeit verrichtet' (EuGH, 14.09.2017 - C-168/16 - Belgien/Irland - Leitsatz).

4.5 Ort der Arbeitsleistung - Flugbegleiter

Bei einem Flugbegleiter ist der regelmäßige Arbeitsort nicht der Flughafen, sondern das Flugzeug. Die organisatorische Zuordnung zu einem konkreten Flughafen und die teilweise Eingliederung in die Organisationsstruktur dieses Flughafens begründen bei einem Flugbegleiter keinen gewöhnlichen Arbeitsort. Es ist auch nicht zwingend, dass Flugbegleiter das Flugzeug immer an ihrem Einsatzort besteigen. "Es ist durchaus üblich und wird durch den Flugplan bestimmt, dass der Flug an einem anderen Flughafen als dem dem fliegenden Personal zugeordneten Einsatzflughafen startet. Die Bestimmung des Einsatzorts legt damit den Ort fest, an dem das fliegende Personal seinen Dienst anzutreten hat" (BAG, 30.11.2016 - 10 AZR 11/16 - mit Hinweis auf BAG 21. Juli 2009 - 9 AZR 404/08).

4.6 Ort der Arbeitsleistung - 1

Der Arbeitsort bestimmt sich nach allgemeinem Sprachgebrauch weder durch die räumliche Lage des Arbeitsplatzes innerhalb des Betriebsgebäudes noch durch das Betriebsgebäude und Betriebsgelände als Ganzes. Der Arbeitsort wird durch den Sitz des Betriebs und damit "in der Regel durch den Bezirk der politischen Gemeinde, in welcher das Betriebsgebäude liegt. (..) Der Umstand, dass sich der Arbeitsplatz innerhalb des Gebäudes verlagert hat, ist eine unbedeutende Geringfügigkeit" (BAG, 17.06.2008 - 1 ABR 38/07 - hier: innerbetriebliche Umsetzung von einer Abteilung in eine andere Abteilung auf einer anderen Etage).

4.7 Ort der Arbeitsleistung - 2

"Der Ort der Arbeitsleistung ergibt sich regelmäßig aus dem Arbeitsvertrag. Ist dies nicht der Fall, bestimmt sich der Erfüllungsort nach § 269 BGB auch bei Arbeitsverhältnissen nach den Umständen des Einzelfalls und der Natur des Arbeitsverhältnisses (...). Regelmäßig ist von einem einheitlichen gemeinsamen Erfüllungsort auszugehen. Dies ist der Ort, an dem der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung zu erbringen hat..." (BAG, 29.09.2010 - 10 AZR 630/09).

4.8 Ort der Arbeitsleistung - 3

Eine vertragliche Fixierung auf einen bestimmten Arbeitsort wird vermieden, wenn der Arbeitgeber die Angabe eines bestimmten Arbeitsorts im Vertrag mit einer "durch Versetzungsvorbehalt geregelten Einsatzmöglichkeit im gesamten Unternehmen" kombiniert. Sind Inhalt und Ort der Arbeitsleistung im Arbeitsvertrag überhaupt nicht festgelegt, hat der Arbeitgeber ein Weisungsrecht im Umfang des § 106 GewO. In diesem Fall kommt es auf die Zulässigkeit eines vereinbarten Versetzungsvorbehalts überhaupt nicht an. Die Ausübungskontrolle erfolgt nach § 106 Satz 1 GewO, § 315 Abs. 3 BGB. Beruht die Weisung auf einer unternehmerischen Entscheidung, hat diese Entscheidung bei der Angemessenheitsprüfung ein "besonderes Gewicht" (BAG, 28.08.2013 - 10 AZR 569/12).

4.9 Ort der Arbeitsleistung - 4

"Ist im Arbeitsvertrag zwar der Ort der Arbeitsleistung [hier: 'für den Bereich Seniorenresidenz T'] bestimmt, ist aber zugleich die Möglichkeit eines Einsatzes auch in anderen Betrieben des Unternehmens vorgesehen [hier: durch Inbezugnahme eines Tarifvertrags, der eine Versetzungsmöglichkeit vorsieht], verhindert dies regelmäßig die Beschränkung der Arbeitspflicht auf den im Vertrag genannten Arbeitsort [es folgen Hinweise auf BAG, 28.08.2013 - 10 AZR 569/12 - und BAG, 19.01.2011 - 10 AZR 738/09]. Insoweit macht es keinen Unterschied, ob im Arbeitsvertrag auf eine Festlegung des Orts der Arbeitsleistung verzichtet und diese dem Arbeitgeber im Rahmen von § 106 GewO vorbehalten bleibt oder ob der Ort der Arbeitsleistung bestimmt, aber die Möglichkeit der Zuweisung eines anderen Orts vereinbart wird. Dadurch wird lediglich klargestellt, dass § 106 Satz 1 GewO gelten und eine Befugnis zur Versetzung an andere Arbeitsorte bestehen soll" (BAG, 20.11.2014 - 2 AZR 512/13).

4.10 Ort der Arbeitsleistung - 5

Die Beschränkung der Leistung Arbeit auf den im Vertrag genannten Ort ist ausgeschlossen, wenn die Bestimmung des Orts der Arbeitsleistung in Kombination mit einer im Arbeitsvertrag durch Versetzungsvorbehalt geregelten Einsatzmöglichkeit im gesamten Unternehmen einhergeht (s. dazu BAG, 28.08.2013 - 10 AZR 569/12; BAG, 26.09.2012 - 10 AZR 311/11). Dabei ist es unerheblich, "ob im Arbeitsvertrag auf eine Festlegung des Orts der Arbeitsleistung verzichtet und diese dem Arbeitgeber im Rahmen von § 106 GewO vorbehalten bleibt oder ob der Ort der Arbeitsleistung bestimmt, aber die Möglichkeit der Zuweisung eines anderen Orts vereinbart wird." Es wird bloß klargestellt, dass § 106 Satz 1 GewO gelten und eine Versetzungsbefugnis an andere Arbeitsorte bestehen soll. Sind Inhalt und Ort der Arbeitsleistung im Arbeitsvertrag nicht festgelegt, bestimmt § 106 Satz 1 GewO den Umfang des Arbeitgeber-Direktionsrechts. Ob der vereinbarte Versetzungsvorbehalt zulässig ist, ist in Fällen dieser Art unerheblich. "Weist der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen anderen Arbeitsort zu, so unterliegt dies der Ausübungskontrolle gemäß § 106 Satz 1 GewO, § 315 Abs. 3 BGB" (BAG, 27.07.2016 - 7 ABR 55/14 - mit Hinweis auf BAG, 28.08.2013 - 10 AZR 569/12; BAG, 26.09.2012 - 10 AZR 311/11).

4.11 Ort der Arbeitsleistung - 6

"Art. 19 Nr. 2 Buchst. a der Verordnung (EG) Nr. 44/2001 ... über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen ist dahin auszulegen, dass im Fall der Klage eines Mitglieds des bei einer Fluggesellschaft beschäftigen oder ihr zur Verfügung gestellten Flugpersonals zur Klärung der Zuständigkeit des angerufenen Gerichts der Begriff 'Ort, an dem der Arbeitnehmer gewöhnlich seine Arbeit verrichtet' im Sinne dieser Vorschrift nicht mit dem Begriff 'Heimatbasis' im Sinne von Anhang III der Verordnung (EWG) Nr. 3922/91 ... zur Harmonisierung der technischen Vorschriften und der Verwaltungsverfahren in der Zivilluftfahrt in der durch die Verordnung (EG) Nr. 1899/2006 ... geänderten Fassung gleichgesetzt werden kann. Der Begriff 'Heimatbasis' ist jedoch ein wichtiges Indiz für die Bestimmung des 'Ortes, an dem der Arbeitnehmer gewöhnlich seine Arbeit verrichtet'" (EuGH, 14.09.2017 - C-168/16 u. 169/16 - Leitsatz - Belgien (Ryanair)).

4.12 Vertragliche Beschränkung

Haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Ort der Arbeitsleistung in Kombination mit einer im Arbeitsvertrag durch Versetzungsvorbehalt geregelten Einsatzmöglichkeit im gesamten Unternehmen bestimmt, verhindert das die vertragliche Beschränkung auf den im Vertrag genannten Ort der Arbeitsleistung (s. dazu BAG, 13.11.2013 - 10 AZR 1082/12). Haben die Vertragspartner keinen Ort (und keinen Inhalt) der Leistungspflicht festgelegt "ergibt sich der Umfang der Weisungsrechte des Arbeitgebers aus § 106 GewO." In diesem Fall kommt es nicht einmal mehr auf die Zulässigkeit eines darüber hinaus vereinbarten Versetzungsvorbehalts an. "Weist der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen anderen Arbeitsort zu, unterliegt dies der Ausübungskontrolle gemäß § 106 Satz 1 GewO, § 315 Abs. 3 Satz 1 BGB" (BAG, 14.06.2017 - 10 AZR 330/16 (A) - mit Hinweis auf BAG, 30.11.2016 - 10 AZR 11/16 und BAG, 18.10.2012 - 6 AZR 86/11).

4.13 Versetzungsklausel - 1

Die in einem Formulararbeitsvertrag enthaltene Versetzungsklausel muss die AGB-Kontrolle nach den §§ 305 ff. BGB bestehen. Dabei liegt eine von Rechtsvorschriften abweichende oder diese ergänzende Regelung im Sinn des § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB nicht vor, wenn die arbeitsvertragliche Klausel materiell der Regelung in § 106 Satz 1 GewO entspricht. Danach kann der Arbeitgeber den Ort der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen bestimmen. Das billige Ermessen wird eingehalten, wenn "die wesentlichen Umstände des Falls abgewogen und die beiderseitigen Interessen angemessen berücksichtigt sind" (BAG, 13.04.2010 - 9 AZR 36/09 - zur Versetzungsklausel im Praxistipp des 1. Gliederungspunkts).

4.14 Versetzungsklausel - 2

Haben die Parteien des Arbeitsvertrags den Ort der Arbeitsleistung nicht vertraglich festgelegt, ergibt sich das Weisungsrecht des Arbeitgebers für dessen Konkretisierung direkt aus § 106 GewO. Auch wenn die Parteien im Arbeitsvertrag einen Versetzungsvorbehalt aufgenommen, kommt es hier auf die Zulässigkeit des vereinbarten Versetzungsvorbehalts nicht mal an. "Weist der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen anderen Arbeitsort zu, so unterliegt dies der Ausübungskontrolle gemäß § 106 Satz 1 GewO, § 315 Abs. 3 BGB" (BAG, 26.09.2012 - 10 AZR 412/11 - mit dem Hinweis, dass sich der Ort der Arbeitsleistung nicht allein durch den Umstand vertraglich konkretisiert, dass der Arbeitgeber sein Direktionsrecht über einen längeren Zeitraum nicht ausgeübt hat).

4.15 Vertragliche Beschränkung - Verhinderung

"Die Bestimmung eines Orts der Arbeitsleistung in Kombination mit einer im Arbeitsvertrag durch Versetzungsvorbehalt geregelten Einsatzmöglichkeit im gesamten Unternehmen verhindert regelmäßig die vertragliche Beschränkung auf den im Vertrag genannten Ort der Arbeitsleistung" (s. dazu BAG, 13.11.2013 - 10 AZR 1082/12). Ist der Ort der Arbeitsleistung oder ihr Inhalt nicht arbeitsvertraglich festgelegt, "ergibt sich der Umfang der Weisungsrechte des Arbeitgebers aus § 106 GewO. Auf die Zulässigkeit eines darüber hinaus vereinbarten Versetzungsvorbehalts kommt es dann nicht an. Weist der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen anderen Arbeitsort zu, unterliegt dies der Ausübungskontrolle gemäß § 106 Satz 1 GewO, § 315 Abs. 3 BGB" (BAG, 30.11.2016 - 10 AZR 11/16 - mit Hinweis auf BAG, 26.09.2012 - 10 AZR 311/11).

4.16 Vorsorgliche Änderungskündigung

Es gibt Fälle, in denen es nicht sicher ist, ob der Arbeitgeber die Versetzung eines Arbeitnehmers an einen anderen Arbeitsort nach den Abmachungen im Arbeitsvertragim Wege des Direktionsrechts vornehmen darf oder eine Änderungskündigung angezeigt ist. Der Arbeitgeber kann bei dieser Sachlage vorsorglich von beiden Gestaltungsmitteln Gebrauch machen. Die vorsorglich erklärte Änderungskündigung ist dann dadurch auflösend bedingt, dass die Versetzung doch keine Änderung der Vertragsbedingungen erfordert. "Der Arbeitgeber, der erklärt, er spreche die Änderungskündigung vorsorglich im Sinne von hilfsweisenur für den Fall aus, dass seine Rechtsauffassung, er könne die beabsichtigte Änderung auch ohne Kündigung herbeiführen, in einem Rechtsstreit von den Arbeitsgerichten nicht geteilt werden sollte, bekundet damit, die Kündigung solle nur gelten, wenn er nicht schon einseitig zu der von ihm beabsichtigten Veränderung berechtigt ist, es dazu vielmehr einer Vertragsänderung bedarf" (BAG, 17.12.2015 - 2 AZR 304/15 - mit Hinweis auf BAG, 11.03.1998 - 2 AZR 325/97 - und BAG, 27.03.1987 - 7 AZR 527/85 - und der Auffassung, dass die Kündigung hier lediglich "an eine auflösende sog. Rechtsbedingung geknüpft" ist, "was zulässig ist").

4.17 Wachkraft des Bundesbeauftragten für Stasiunterlagen

Nach § 37a Satz 2 Halbs. 1 des Stasi-Unterlagen-Gesetzes - StUG - sind ehemalige Stasi-Mitarbeiter, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des StUG beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen DDR beschäftigt sind, "ihren Fähigkeiten entsprechend und unter Berücksichtigung sozialer Belange auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz innerhalb der Bundesverwaltung zu versetzen, wenn ihnen dies im Einzelfall zumutbar ist". Insoweit ist es nicht zu beanstanden, wenn der Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen einen als Wachmann beschäftigten ehemaligen Stasi-Mitarbeiter an das Bundesverwaltungsamt abordnet. Das Direktionsrecht des öffentlichen Arbeitgebers folgt aus § 4 TVöD und § 106 GewO. § 37a Satz 2 Halbs. 1 StUG ist nicht verfassungswidrig (LAG Berlin-Brandenburg, 10.09.2014 - 15 SaGa 1468/14).

4.18 Weisungsrecht

Sind Inhalt und Ort der Arbeitsleistung im Arbeitsvertrag nicht festgelegt, ergibt sich der Umfang des arbeitgeberseitigen Weisungsrechts aus § 106 GewO. In diesem Fall kommt es auf die Zulässigkeit eines darüber hinausgehenden Versetzungsvorbehalts überhaupt nicht an. Weist der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter dann einen anderen Arbeitsort zu, unterliegt diese Weisung der nur des Ausübungskontrolle nach § 106 Satz 1 GewO, § 315 Abs. 3 BGB (BAG, 13.06.2012 - 10 AZR 296/11).

4.19 Zuweisung eines Homeoffice-Arbeitsplatzes

Der vereinfachte Fall: Arbeitgeber A bot Mitarbeiter M, einem Ingenieur, nach einer Betriebsschließung an, seine Tätigkeit zukünftig in einem Homeoffice zu verrichten. M lehnte das ab. A nahm die Ablehnung zum Anlass, M's Arbeitsverhältnis aus wichtigem Grund wegen beharrlicher Arbeitsverweigerung zu kündigen. Pech für A: Die Anweisung eines Telearbeitsplatzes greift in den geschützten Vertragsbereich. Der Arbeitgeber kann das Arbeiten vom Homeoffice aus nicht einseitig via Direktionsrecht anordnen, wenn der Arbeitnehmer zu dieser Art Tätigkeit nach seinem Arbeitsvertrag nicht verpflichtet ist (LAG Berlin-Brandenburg, 10.10.2018 - 17 Sa 562/18 - mit dem Ergebnis, dass die außerordentliche Kündigung unwirksam war).

4.20 Zwangsvollstreckung

Die Zwangsvollstreckung eines Arbeitnehmer-Weiterbeschäftigungsanspruchs erfolgt nach § 888 ZPO. Es handelt sich um eine so genannte "nicht vertretbare Handlung" - der Arbeitgeber muss durch Zwangsgeld oder Zwangshaft dazu angehalten werden, die nach dem vollstreckbaren Titel geschuldete Handlung (hier: die Weiterbeschäftigung) vorzunehmen. Dabei muss der Titel die Art der ausgeurteilten Tätigkeit nennen. Haben sich die Parteien im Erkenntnisverfahren nicht über den Ort der Arbeitsleistung und ein mögliches Versetzungsrecht des Arbeitgebers gestritten, muss die Wirksamkeit einer Versetzung im Vollstreckungsverfahren nicht geprüft werden (LAG Schleswig-Holstein, 06.09.2012 - 1 Ta 142/12).